Naturversum – Ökologische Aufwertung der Stadt Bad Kissingen mit dem Projekt „Wir machen’s uns schöner“

Mit einem aufeinander abgestimmten Maßnahmenbündel, das im Einklang mit den städtebaulichen Entwicklungskonzepten steht, verschönert die Stadt Bad Kissingen mit dem EU-geförderten Projekt „Wir machen’s uns schöner“ die Innenstadt. Bad Kissingen engagiert sich auch für seine Umwelt und ein gesundes Stadtklima. So haben alle Maßnahmen des Projekts neben der Verschönerung auch eine ökologische Aufwertung der Stadt zum Ziel.

Marienplatz

Am Marienplatz wird die Rasenfläche verkleinert. Dafür werden artenreiche Staudenmischungen gepflanzt (ca. 350m²). Der Randbereich in Richtung Münchner- und Hartmannstraße wird mit Blütensträuchern ergänzt.

Die zum Einsatz kommende Staudenmischpflanzung ist für trockene und sonnige Standorte geeignet und erreicht eine mittelhohe (zwischen 80 und 100 cm) Wuchshöhe. Die Blüte erstrahlt in frischen Pastelltönen von Purpur über Rosa bis Weiß. Darüber hinaus bietet sie eine schöne Winterstruktur durch Samenstände. Zum Einsatz kommen unter anderem: Perovskie, Prärie-Bartgras, verschiedene Astern, Prachtkerze, Prachtscharte, Indianernessel und Scheinsonnenhut (insgesamt 18 Stauden und Gräser). Für den Frühjahrsaspekt werden Zwiebeln verwendet. Dazu zählen Tulpen, Narzissen, Zierlauch und Balkan-Windröschen.

Die Staudenmischungen bringen einige Vorteile gegenüber einer Rasenfläche. Das aktuellste Beispiel ist gerade allgegenwärtig: Die Rasenflächen sind aufgrund langer Trockenheit und Hitze verbrannt, was optisch wenig ansprechend ist. Die zum Einsatz kommenden Stauden sind trockenheitsverträglich und bieten auch bei solch hohen Temperaturen, wie sie derzeit häufig vorkommen, noch Blüten. Gewässert werden sie nur in der Anwachsphase nach der Pflanzung und in Ausnahmefällen. Die Staudenmischungen sind ökologisch sehr wertvoll, da sie eine lange Blütezeit haben – beginnend mit Balkan-Windröschen im März/April bis Oktober durch Astern. Dadurch sind sie reich an Pollen und Nektar und bieten ein vielseitiges und fast ganzjähriges Nahrungsangebot für Insekten. Außerdem werden die Stauden erst Ende Februar zurückgeschnitten und dienen somit als Rückzugsmöglichkeit und Lebensraum für Insekten und Kleinstlebewesen im Winter.
Auch in der Pflege sind die Staudenmischungen einfacher zu handhaben. Rasenflächen werden in den Sommermonaten fast 14tägig gemäht. Die Staudenmischungen benötigen nur ungefähr 4 Pflegegänge pro Jahr. Dadurch sind sie auch im Unterhalt günstiger als die Rasenflächen.

Schnittkurs
Bereits vorhandene Staudenbepflanzung am Marienplatz.
Foto: Elisabeth Kehm

Berliner Platz

Am Berliner Platz wird die gepflegte Rasenfläche in eine artenreiche Blühmischung umgewandelt (ca. 340m²). Außerdem wird die Grünfläche durch den Rückbau von Asphaltflächen vergrößert. Der Randbereich Richtung Marienplatz hinter der Bushaltestelle wird mit Blütensträuchern ergänzt.

Zum Einsatz kommt hier die Blühmischung „Schattensaum für blütenreiche Gehölzränder“. Diese ist für schattige und halbschattige Standorte geeignet und besteht zu 50% aus Gräsern und zu 50% aus Blumen (u.a. Aronstab, Primel, Frühlings-Platterbse und rote Lichtnelke). Die Wuchshöhe beträgt 60 bis 120 cm.

In der Blühmischung kommen ausschließlich heimische Pflanzen vor. Somit bietet sie viel Nahrung für Insekten und Kleinstlebewesen. Die Mahd erfolgt im späten Herbst. Lediglich die Randbereiche werden mit einer Mäherbreite (ca. 60 cm) öfter gemäht, da sonst das Gras auf die Gehwege hängt.

Mit der Umstellung von intensiv gepflegter Rasenfläche auf Blühwiese wird also das Nahrungsangebot für Insekten erhöht. Auch der Lebensraum und Rückzugsmöglichkeiten werden vergrößert. Des Weiteren verringert sich der Arbeitsaufwand, da nicht mehr so oft gemäht werden muss.


Theaterplatz

Auf dem Theaterplatz werden die bodenebenen Beetflächen angehoben. Es entstehen Hochbeete mit angebauten Sitzelementen. Dabei werden die Flächen teilweise vergrößert. Die Wechselflorbeete entfallen. Die Neupflanzung erfolgt mit Großsträuchern und Stauden (Dauerhafte Bepflanzung).

Die zum Einsatz kommenden Großsträucher sind: Fünf Blasenbäume und drei portugiesische Kirschlorbeer als Solitärsträucher. Die Unterpflanzung erfolgt mit Stauden, kleinen Gräsern und Zwiebeln (u.a. Blut-Storchschnabel, Berg-Flockenblume, Aster, Knäuel-Glockenblume, Schnee-Marbel, Zierlauch, Winterlinge und Blausterne).

Die Wechselflorbepflanzung zielte nur auf Optik ab (große, gefüllte, oft sterile Blüten, aber kein Nektar und Pollen somit keine Nahrung für Insekten) und wurde dreimal jährlich neu angelegt. Außerdem muss sie alle 2-3 Tage (bei der aktuellen Trockenheit täglich) gewässert werden, da sie weder für den Standort geeignet sind (heiß, sonnig,
trocken) noch eine Möglichkeit haben, anzuwurzeln und sich selber zu versorgen. Damit sind sie nicht nachhaltig.
Die neue dauerhafte Bepflanzung ist fast ganzjährig reich an Nektar und Pollen. Die Zwiebeln blühen bereits ab Februar/März beginnend mit den Winterlingen. Vor allem der Blasenbaum ist mit der Blütezeit Juli bis August unglaublich wichtig für viele Insekten, da viele Gehölze dann bereits verblüht sind (gelistet in „Bienenbäume“ des
Instituts für Erwerbs- und Freizeitgartenbau der Bayerischen Landesanstalt für Weinund Gartenbau Veitshöchheim). Mit den Astern, welche im Oktober blühen, reicht die Blütezeit der Bepflanzung bis in den Herbst. Der Rückschnitt der Unterpflanzung erfolgt ebenfalls erst Ende Februar, was eine Überwinterung und Rückzugsmöglichkeiten für viele Insekten bietet. Die Gehölze und Stauden sind dem Standort angepasst und benötigen deswegen weniger Pflege und Wasser.


Neue Pflanzkübel in der Innenstadt

Die alten Pflanzgefäße in der Innenstadt werden durch 36 neue Gefäße ersetzt. Dabei wird auch die Bepflanzung erneuert.

In jedes Gefäß wird ein Großstrauch gepflanzt.
Als Großsträucher werden verwendet: 7 Kupferfelsenbirnen,  2 Japanische Aralien, 13 Sieben-Söhne-des-Himmels-Sträucher, 7 Amberbäume, 3 rote Glanzmispeln und 4 Portugiesische Kirschlorbeeren.
Als Unterpflanzung der Großsträucher dient weiterhin saisonaler Wechselflor.

Die neuen Pflanzgefäße weisen im Boden einen Wasserspeicher auf. Mit Hilfe der Dochtwirkung werden die Pflanzen mit Wasser versorgt. Durch diese Anstauung/Speicherung im Boden müssen die Pflanzkübel nicht mehr jeden Tag angefahren und gewässert werden. Es ist ausreichend, den Wasserspeicher einmal aufzufüllen und je nach Witterung versorgt dieser die Pflanzen die nächsten Tage. Die neuen Großsträucher wurden individuell an ihren Standort (vor allem Wuchsbreite) angepasst und alle ausgewählten Gehölze bieten verschiedene Aspekte.
Einige weisen im Spätsommer/Herbst Früchte auf, die als Vogelnahrung dienen (vor allem Kupferfelsenbirne, japanische Aralie, portugiesischer Kirschlorbeer), andere haben eine orange/rote Herbstfärbung und verleihen der Stadt im Herbst nochmal einen anderen Aspekt (vor allem Kupferfelsenbirne, Amberbaum).
Alle Gehölze haben eine schöne weiße Blüte. Manche davon blühen im Frühjahr
(April/Mai – Kupferfelsenbirne), andere erst im späten Herbst (August/September/Oktober – Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch und Japanische Aralie).

Mit den neuen Pflanzgefäße wird der Arbeitsaufwand also reduziert und durch die
Anpassung der Bepflanzung das Nahrungsangebot für Insekten und Vögel im
innerstädtischen Bereich erhöht.

In Bad Kissingen blüht's herrlich bunt.

Unser Team des Servicebetriebs hat die Sommerbepflanzung ausgebracht
  • An der Kreuzung Schönbornstraße, am Alten Rathaus, Theaterplatz, Bahnhof, Marienplatz und in den Pflanzkübel in der Kernstadt blühen den ganzen Sommer lang Pflanzen mit verschiedenen Wuchshöhen.
  • Außerdem gibt es Hängepflanzen, Kletterpflanzen, Stämmchen und einiges mehr.
  • Zirka 7.500 Pflanzen könnt Ihr bewundern.
  • Für die Hobbygärtner unter Euch, es sind Geranien, Wandelröschen, Elfenspiegel, Küstenstrandstern, Husarenknopf, Zauberglöckchen, Zweizahn, Indisches Blumenrohr, Köcherblümchen, Kapkörbchen, Leberbalsam, Mittagsgold, Strauchmargarite, Prunkwinde, Spinnenblume, Prachtkerze zu sehen.

Obstbäume im Mittelpunkt

Streuobstwiesen sind ein wichtiger Teil unserer traditionellen Kulturlandschaft. Bei naturnaher Bewirtschaftung entwickeln sich auf Streuobstflächen artenreiche Biotope. Blühwiesen und die Obstbäume selbst sind Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Das Obst kann geerntet werden oder bietet vielen Tieren Nahrung.
Um diese wertvollen Habitate zu erhalten sind Pflegemaßnahmen erforderlich. Die Wiesen müssen einmal pro Jahr gemäht werden, um einer Verbuschung entgegenzuwirken. Die meist alten Obstbaumbestände sind regelmäßig zu pflegen. Ohne Schnittmaßnahmen vergreisen die Bäume und sterben ab.
Die Stadt Bad Kissingen ist im Besitz einiger Obstwiesen. Oft wurden diese im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen angelegt. Dem zuständigen Tiefbauamt liegt viel am Erhalt der Streuobstflächen in den Ortsrandlagen. Daher wird einiges unternommen um deren Bestand zu sichern. Obstwiesen dienen der Naherholung und Umwelterfahrung. Auch Bürger sollen angeregt werden den ökologischen Wert von Streuobstflächen wiederzuentdecken und das Obst zu verwerten.

Schnittkurs

Am Freitag, den 08. April 2022 fand in Bad Kissingen in der Zeit von 9 bis 16 Uhr ein kostenloser Streuobstschnittkurs statt. Dieser wurde von der Stadt Bad Kissingen im Servicebetrieb organisiert und richtete sich sowohl an die städtischen Gärtner als auch externe Teilnehmer. Insgesamt nahmen 18 Personen daran teil. Der Referent, Dipl.-Gartenbauing. Krischan Cords wurde vom Landratsamt Bad Kissingen engagiert, da der Streuobstschnittkurs Teil des Projektes Grüngitter war, in welchem die Stadt Bad Kissingen mitwirkt.
Krischan Cords ist geschäftsführender Vorstand der Main-Streuobst-Bienen eG und brachte den Teilnehmer den Streuobstschnitt nach Oeschberg näher. Bei diesem,  erklärte er, gäbe es wesentliche Unterschiede zum Schnitt von Obstbäumen im Hausgarten. Nach Oeschberg möchte man auf Streuobstwiesen weitausladende Obstbäume mit 3-4 steilen Leitästen sowie einer Stammverlängerung. An den Leitästen bilden sich 2-3 Fruchtäste mit dem Fruchtholz. So ist gewährleistet, dass nicht nur die Krone, sondern auch die unteren Astpartien genügend Licht bekommen. Nur mit genügend Sonne entsteht süßes, wohlschmeckendes Obst. Ein weiterer Vorteil des naturgemäßen Schnittes ist, dass zwischen den Leitästen ein Anleitern gut möglich ist, um im oberen Bereich Schnittmaßnahmen auszuführen oder Obst ernten zu können.
Am Vormittag erfuhren die Teilnehmer die wichtigsten Grundsätze zu Schnittmaßnahmen und Wuchsverhalten von Bäumen im Allgemeinen. Ein Baumschnitt ist erforderlich um die Baumgesundheit, Vitalität und eine gute Fruchtqualität zu erhalten. Ebenso ging Herr Cords auf den speziellen Schnitt vor der Pflanzung eines neuen Obstbaumes, den sog. Pflanzschnitt ausführlich ein. Im Anschluss erklärte der Referent den Erziehungsschnitt von jungen Obstbäumen. Noch im Servicebetrieb zeigte er an neu gelieferten Obstbäumen den Pflanzschnitt und wies auf die Wichtigkeit einer richtigen Erziehung in jungen Jahren hin. Danach fuhren die Teilnehmer auf eine nahe gelegene Fläche mit jungen Obstbäumen. Hier zeigte Herr Cords den Jungbaumschnitt in der Praxis. Es war gut zu erkennen, dass es sehr wichtig ist, in den ersten 5-10 Jahren die künftige stabile Kronenstruktur aufzubauen. Eine spätere Korrektur des Kronenaufbaus dauert Jahre und ist mit viel Aufwand verbunden.
Am Nachmittag erfuhren die Teilnehmer noch einiges über den Schnitt von älteren Obstbäumen. Ziel des Pflegeschnittes an Altbäumen ist es die Stabilität sicher zu stellen und ein Gleichgewicht zwischen Holzwachstum und Fruchtansatz herzustellen. Der dazugehörige Praxisteil fand in der ehemaligen Stadtgärtnerei statt.

Pflanzung neuer Obstbäume

Es passiert immer wieder, dass junge Obstbäume nicht anwachsen oder ältere Bäume absterben. Damit die Streuobstflächen ihre Wohlfahrtswirkung behalten, pflanzt die Stadt auch junge Obsthochstämme nach. Dieses Jahr wurden 11 Apfelbäume gepflanzt. Die Bäume wurden über das Grüngitter-Projekt des Landratsamtes gekauft. Die Stadt übernimmt das Einpflanzen und die Pflege der Apfelbäume. Das erlernte Wissen konnten die städtischen Mitarbeiter beim Pflanzschnitt direkt anwenden. Auch der richtigen Erziehung der jungen Obstbäume steht nach diesem Kurs nichts mehr im Wege.

Schnittkurs
Herr Cords zeigt den Teilnehmer den Jungbaumschnitt in der Praxis.
© Peter Borst
Baumpflanzung
Städtische Mitarbeiter des Servicebetriebs beim Pflanzen junger Obstbäume. Gut zu erkennen: die Stammverlängerung und die drei Leitäste.
© Elisabeth Kehm

Bad Kissingen ist bunt – die Beete sind mit Frühlingsblumen bepflanzt

Die fleißigen Gärtner*innen Bad Kissingens haben mit der Frühjahrsbepflanzung begonnen: Hornveilchen, Stiefmütterchen, Primeln, Schaumblüte, Goldlack sowie Kaiserkronen zieren ab sofort die Beete rund um die historischen Anlagen.
Im Bereich der Kernstadt sind es Stiefmütterchen, Gänseblümchen, Vergissmeinnicht und verschiedene Tulpensorten in unterschiedlichen Farben, Höhen und Blütezeiten, die für farbige Akzente beim Stadtbummel sorgen. Die Beete befinden sich an der Kreuzung Ludwigsbrücke/Bismarckstraße/In der Au, Ludwigstraße, Altes Rathaus, Theaterplatz, Rathausplatz und Bahnhof.

Foto 1 & 2: Mario Selzer
Foto 3 & 4: Nina Pereira Santo

Was ist das Naturversum?

So bucht man online eine Baumpatenschaft im Naturversum

So funktioniert die APP

Grün, Grün, Grün...